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Wildtiere und Wintersportaktivitäten: Ist eine Koexistenz möglich?

Mittwoch, 23 März 2016

Erfahrungsbericht vom internationalen Workshop „Wildlife and winter sport activities“
3. und 4. März 2016, Lescheraines (Regionaler Naturpark Massif des Bauges, FR). Eine gemeinsame Veranstaltung vom Regionalen Naturpark Massif des Bauges, Asters und Alparc.

Im gesamten Alpenraum haben sich Wintersportaktivitäten wie Skitouren, Freeriden und Winterwandern mit Schneeschuhen in den letzten Jahren immer mehr verbreitet. Diese Freizeit- und Sportaktivitäten nehmen eine bedeutende Rolle in unseren Gesellschaften und in den Alpen ein.

Obwohl diese Aktivitäten großen Erholungswert für den Menschen besitzen, haben sie auch starke negative Auswirkungen auf die alpine Fauna. Tierarten, wie alpine Hühnervögel, Gemse, Steinbock oder Schneehase, werden oft ungewollt in ihrer Ruhe gestört. Diese negativen Auswirkungen sind von zahlreichen wissenschaftlichen Studien eindeutig belegt (siehe Präsentationen vom Freitag, 4. März). Wie können Wintersportaktivitäten und Schutz der alpinen Fauna miteinander vereinbart werden? Wie kann man Wintersportler sensibilisieren? Ist eine Koexistenz überhaupt möglich und unter welchen Bedingungen?

Vielfältige Maßnahmen im gesamten Alpenraum

Verschiedene Initiativen werden zurzeit im gesamten Alpenbogen von der nationalen bis zur lokalen Ebene in Form von Studien, Monitoring- und Managementmaßnahmen sowie Sensibilisierungskampagnen für Sportler und Erholungssuchende durchgeführt. Akteure aus den verschiedensten Bereichen sind sich heute der Tragweite dieser Problematik bewusst und sehen deshalb die Notwendigkeit, vorbeugende Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen zu treffen.

Eine Auswahl an aktuellen Studien und Initiativen wurde im Rahmen des internationalen Workshops „Wildlife and winter sport activities“ vorgestellt und diskutiert. Dieser Workshop war der erste dieser Art und erfreute sich eines regen Zulaufs von TeilnehmerInnen (ca. 50) aus sechs Alpenländern und aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen in Regierungen, Alpenvereinen, Wissenschaft, Umweltorganisationen und natürlich Schutzgebieten. Im Rahmen der Veranstaltung konnten die Teilnehmer ihre teilweise sehr kreativen Initiativen vorstellen, über gute Beispiele diskutieren und Wissen, Erfahrungen und Ideen austauschen.

Einerseits werden Initiativen in Form von groß angelegten Sensibilisierungskampagnen lanciert, wie die seit mehr als 10 Jahren von der vorarlbergischen Landesregierung (AT) durchgeführte Kampagne „Respektiere deine Grenzen“ oder die Übernahme dieser Kampagne in der Schweiz auf nationaler Ebene mit Unterstützung des Schweizer Alpen-Clubs und des Bundesamts für Umwelt BAFU. Maßgeblich für beide Aktionen ist der erklärte politischer Wille, diesen Ansatz mit substantiellen finanziellen Mitteln zu unterstützen. Wie es Herbert Erhart vom Land Vorarlberg erklärt: „Wir haben beschlossen zu sagen: Ja, unsere Natur ist uns diesen Aufwand Wert.“

Andererseits werden vielfältige Initiativen von alpinen Schutzgebieten auf ihrem Territorium unter Einbeziehung verschiedener lokaler Akteure durchgeführt, wie zum Beispiel im Nationalpark Gesäuse (Steiermark, AT), im Nationalpark Triglav (SI), im Naturpark Mont Avic (IT), im grenzübergreifenden Naturpark Nagelfluhkette (Bayern/Vorarlberg, DE/AT) oder im Regionalen Naturpark Massif des Bauges (FR): Besucherlenkungsmaßnahmen durch Ausweisung und Markierung von Ruhezonen werden zumeist durch Aufklärungsaktionen für verschiedene Sportlergruppen ergänzt (siehe Präsentationen vom Donnerstag, 3. März). Der Workshop hat gezeigt, dass die Schutzgebiete eine Schlüsselrolle in der Entwicklung solcher Initiativen in den Alpen einnehmen, da sie gleichzeitig Vermittler zwischen lokalen Akteuren und Pilotgebiete für innovative, über die Grenzen der Schutzgebiete hinaus wirkende Maßnahmen sind.

Im Rahmen einer Exkursion konnten die Teilnehmer eine vom Regionalen Naturpark Massif des Bauges auf lokaler Ebene durchgeführte Maßnahme besichtigen: die Ausweisung einer Schutzzone für das winterliche Rückzugsgebiet des Birkhuhns am Col de Chérel.

Ein erklärter Wille: Entwicklung eines gemeinsamen Ansatzes auf Alpenebene

Im Rahmen des Workshops wurde festgestellt, dass zurzeit die Ansätze und Initiativen im gesamten Alpenbogen weit gestreut und sehr heterogen sind. Manche Gebiete sind weiter als andere, was die Bandbreite der Maßnahmen betrifft: Monitoring, Besucherlenkung, Sensibilisierung. So sind z.B. in Italien Kampagnen zur Aufklärung und andere Maßnahmen noch wenig präsent. Die Problematik betrifft jedoch den gesamten Alpenraum gleichermaßen.

Im Laufe der Diskussionen haben die Teilnehmer ein zentrales Bedürfnis identifiziert: die Notwendigkeit eines Austauschs von Erfahrungen und guten Beispielen und der Entwicklung eines gemeinsamen Ansatzes auf alpenweiter Ebene, der vom Monitoring über die Besucherlenkung bis hin zur gemeinsamen Kommunikation reicht und es ermöglicht, die verschiedenen Akteure und Interessensgruppen zu mobilisieren. Ein solches Projekt würde dieser Problematik eine größere Sichtbarkeit verleihen, die Wirkung der Sensibilisierungsmaßnahmen erhöhen und eine bessere Managementqualität  im gesamten Alpenraum gewährleisten. Ein  gemeinsamer Ansatz würde außerdem zu mehr Kohärenz und Zusammenhalt in den Alpen beitragen.

Ein erster Schritt in diese Richtung konnte im Rahmen des Workshops gemacht werden: einige Teilnehmer haben sich bereit erklärt, eine Alparc-Arbeitsgruppe zu dieser Thematik zu bilden, um sich auf internationaler Ebene zu vernetzen, Ideen zu vertiefen und ein gemeinsames Projekt zu entwickeln.

Dank

Ein großer Dank gebührt allen TeilnehmerInnen für ihr Kommen und für den fruchtbaren und regen Austausch! Vielen Dank auch an die Teams vom Regionalen Naturpark Massif des Bauges und von Asters für die Organisation und insbesondere an den Naturpark Massif des Bauges für seine Gastfreundschaft.

Teilnehmende alpine Schutzgebiete

Nationalpark Gesäuse (Steiermark, AT), Nationalpark Triglav (SI), Naturpark Mont Avic (IT), grenzübergreifender Naturpark Nagelfluhkette (Bayern/Vorarlberg, DE/AT), Regionaler Naturpark Massif des Bauges (FR), Conservatoire des espaces naturels de Haute-Savoie Asters (FR).

 Um den vollständigen Bericht über den Workshop zu lesen (auf Englisch), siehe unten:

Bildergalerie